WhatsApp im Unterricht schreiben und dabei nicht erwischt werden

Nachrichten im Unterricht schreiben? Das kann gefährlich sein. Zu mindestens dann, wenn man erwischt wird. Emma Schiller aus Huntlosen, Schülerin der Klasse 12 des Technischen Gymnasiums Oldenburg am Bildungszentrum für Technik und Gestaltung in Oldenburg (BZTG Oldenburg) wollte genau das nicht: erwischt werden. Deswegen hat sie die Wireless Input GloveS (WINGS) entwickelt.

 

WINGS sind veränderte Handschuhe. Durch das Berühren der behandschuhten Fingerkuppen mit den Daumen kann Emma nun Texte auf elektronischen Endgeräten schreiben. Dabei hat sie sich an der Brailleschrift – den Schriftzeichen der Blindenschrift orientiert. Eine bestimmte Finger-Daumen-Kombination steht für einen bestimmten Buchstaben.

 

Und was macht man mit dieser von vielen Schülerinnen und Schülern sehnlichst erwarteten Erfindung? Man meldet sich bei Jugend forscht damit an.

„Emma hat noch vor Corona den WINGS-Prototypen beim Jugend forscht Regionalwettbewerb in Emden 2020 vorgestellt und diesen fulminant gewonnen“ so Rainer Lüllmann, Lehrkraft am BZTG. Der danach folgende niedersächsische Landeswettbewerb ist dann aber leider 2020 wegen Corona ausgefallen.“

 

Emma hat sich dadurch aber nicht entmutigen lassen und die kontaktarme Zeit genutzt, um den Prototypen weiterzuentwickeln. „Ich habe mich gefragt, ob diese Handschuhe nicht auch von Menschen mit beeinträchtigtem Sehvermögen zum Schreiben von Nachrichten genutzt werden können“ beschreibt Emma Schiller ihre Motivation weiter zu machen. „Und das geht. Nun wird das Berühren der Fingerkuppen von einem Mikrocontroller ausgewertet und anschließend über Bluetooth an ein empfangendes Gerät, z.B. das eigene Handy, übertragen.“

 

Mit dieser Weiterentwicklung gewann Emma im Februar erneut den Regionalwettbewerb, der in diesem Jahr online durchführt wurde. Mit diesem Sieg wiederum erwarb sie sich die Berechtigung, ihr Forschungsprojekt beim Landeswettbewerb vorzustellen, der am 24.03.21 ebenfalls online stattfand.

Und sie kehrt hochdekoriert in das Oldenburger Land zurück: ihr Engagement wurde bei der Siegerehrung nicht nur mit Platz 3 im Fachgebiet Technik in Niedersachsen, sondern zusätzlich mit den Sonderpreisen der Christoffel-Blindenmission aus Bensheim und dem Sonderpreis der Firma Adesso aus Dortmund, einem international tätigen IT-Dienstleister, gewürdigt. Darüber hinaus wurde sie von der Stiftung Jugend forscht als einzige Teilnehmerin Niedersachsens für eine Woche zum Studienseminar im Kerschensteiner Kolleg des Deutschen Museums in München eingeladen.

Emma freut sich darüber in der ihr eigenen freundlich-bescheidenden Art: „Die Hinweise der beiden Fachjurys im Fachgebiet Technik haben mir neue Impulse gegeben und waren für mich deshalb noch wertvoller als die ganzen Preise.“

Zum zwölften Mal in Folge hat das BZTG Oldenburg mindestens ein Projekt beim Regionalwettbewerb in Emden vorgestellt. Und fünf Mal gewannen Schülerinnen und Schüler vom BZTG diesen Wettbewerb. „Jugend forscht bietet unseren engagierten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit ein technisches Projekt selbstständig zu bearbeiten und dafür eine fachlich versierte Rückmeldung einer außerschulischen Jury zu bekommen.“, beschreibt Rainer Lüllmann seine guten Gründe auch weiterhin die Schülerinnen und Schüler des BZTG Oldenburg zu unterstützen und ergänzt: “Es freut mich sehr, dass Emmas Arbeit so zahlreich und wertvoll belohnt wurde. Sie zeigt dabei eindrucksvoll, dass Technik nicht nur was für Jungs ist. Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr junge Frauen für einen technischen Ausbildungsberuf oder ein technisches Studium entscheiden. Emma zeigt, dass das sehr gut funktioniert.“

 

Und Emma? Sie freut sich auf die Rückkehr in den Präsenzunterricht. „Ich muss doch meine Handschuhe für den eigentlichen Verwendungszweck noch einsetzen. WhatsApp-Nachrichten ins Handy tippen“. Natürlich ohne erwischt zu werden.

 

Das erste Foto zeigt die Schülerin vor dem Greenscreen des BZTG beim Regional- bzw. Landeswettbewerb

Text und Bilder Rainer Lüllmann (überarbeitet von Ole Westerhoff)